Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank Die ungeliebte Mega-Hochzeit

Deutsche Bank und Commerzbank sprechen über eine Fusion - angetrieben von der Regierung. Bei den Wählern kommt das nicht gut an. Auch die Arbeitnehmervertreter wollen nach SPIEGEL-Informationen dagegen stimmen.

Frankfurter Bankenviertel: Rechts die Türme der Deutschen Bank
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Frankfurter Bankenviertel: Rechts die Türme der Deutschen Bank

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Es könnte die größte deutsche Bankenhochzeit aller Zeiten werden, wenn Deutsche Bank und Commerzbank zusammenkommen. Aus den zwei angeschlagenen Finanzinstituten entstünde ein neuer Riese, der mit einer Bilanzsumme von 1,8 Billionen Euro zur drittgrößten Bank in Europa aufsteigen würde - hinter der britischen HSBC und der französischen BNP Paribas. Ein Gigant, ganz nach dem Geschmack der Bundesregierung, die neuerdings darauf setzt, nationale Champions zu stärken, um im Zeitalter des Protektionismus international unabhängiger zu werden.

Noch ist es nicht so weit, bisher gibt es nur erste zaghafte Gespräche zwischen den Spitzen der beiden Unternehmen. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing galt zwar lange Zeit als skeptisch, was die Fusion angeht. Er hat sich aber vom Vorstand den Segen für informelle Gespräche mit Commerzbank-Chef Martin Zielke geben lassen. Am kommenden Donnerstag soll das Thema in den Aufsichtsräten beider Konzerne diskutiert werden. Spätestens bis Ostern soll dann klar sein, ob es zu formellen Verhandlungen kommen kann.

Dass es überhaupt so weit gekommen ist, liegt zum einen an der miserablen Lage vor allem der Deutschen Bank Chart zeigen: Sie galt einst als größte Bank der Welt und droht mittlerweile in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Zum anderen hat sich Haltung der Bundesregierung geändert - zur Finanzbranche generell und zur Idee eines nationalen Bankenchampions. Seit der Sozialdemokrat Olaf Scholz das Finanzministerium führt und den ehemaligen Goldman-Sachs-Banker Jörg Kukies als Staatssekretär geholt hat, dringt die Politik auf eine mögliche Fusion - und hat so die aktuellen Gespräche überhaupt erst ermöglicht.

Dem Willen der Wähler folgt Scholz dabei nicht gerade. Denn der sieht laut einer aktuellen Umfrage für den SPIEGEL anders aus. Demnach sind nur rund 25 Prozent der Deutschen der Meinung, dass Deutsche Bank und Commerzbank fusionieren sollten. 49,5 Prozent sprechen sich dagegen aus (siehe Grafik). Für die repräsentative Untersuchung hat das Meinungsforschungsinstitut Civey zwischen dem 11. und 14. März mehr als 5000 Menschen befragt.

Schaut man auf die Parteipräferenzen der Befragten, dann wird deutlich, dass eine Fusion der Banken bei den Wählern keiner Partei eine Mehrheit hätte. Am ehesten könnten sich noch die Anhänger von CDU/CSU und FDP einen Zusammenschluss zur Megabank vorstellen. Bei der SPD dagegen, der Partei von Finanzminister Scholz, ist fast die Hälfte der Anhänger ausdrücklich gegen die Fusion.

Warum so viele Menschen einen solchen Schritt ablehnen, lässt sich nicht genau sagen. Doch offenbar überzeugt die Logik der Bundesregierung, eine große nationale Bank zu schaffen, damit deutsche Unternehmen nicht auf ausländische Institute angewiesen sind, viele Wähler nicht wirklich.

Gründe dafür gibt es genug. So hat etwa die Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 gezeigt, dass die Politik große Banken im Zweifel auf Gemeinschaftskosten retten muss. Andernfalls riskiert sie den Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems.

"Ich halte es für falsch, eine bereits zu große Bank noch größer zu machen", sagt Gerhard Schick, der lange als Finanzexperte für die Grünen im Bundestag saß und nun die Bürgerbewegung Finanzwende gegründet hat. Damit werde das neue Institut erst recht "too big to fail" - also zu groß, um es im Zweifel pleitegehen zu lassen. "Am Ende muss dann wieder der deutsche Steuerzahler dafür aufkommen", warnt Schick.

Auch für Betriebsräte und Gewerkschafter ist eine Fusion eher Horrorvorstellung als Grund zur Freude. Schließlich droht bei einem Zusammenschluss ein großflächiger Arbeitsplatzabbau. Bisher kommen die beiden Banken auf insgesamt gut 140.000 Mitarbeiter. Schätzungen zufolge wären bei einer Fusion bis zu 30.000 Jobs bedroht.

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Entsprechend wollen die Arbeitnehmervertreter nach SPIEGEL-Informationen im Deutsche-Bank-Aufsichtsrat gegen die Aufnahme formeller Fusionsverhandlungen stimmen, falls das Thema bei der Sitzung des Kontrollgremiums in der kommenden Woche behandelt werden sollte. Spricht sich die Anteilseignerseite im Aufsichtsrat geschlossen für Fusionsverhandlungen aus, könnte Aufsichtsratschef Paul Achleitner mit seinem Doppelstimmrecht eine Entscheidung herbeiführen. Achleitner gilt als Befürworter einer Fusion.

Auch die Arbeitnehmervertreter der Commerzbank haben sich klar gegen eine Fusion ausgesprochen. "Die Ver.di-organisierte Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat der Commerzbank wird geschlossen gegen die Fusion stimmen, falls es überhaupt zu einer Abstimmung kommt", sagt Uwe Tschäge, Konzernbetriebsratsvorsitzender und Aufsichtsrat der Commerzbank. "Bislang hat der Aufsichtsrat über das Thema Fusion noch gar nicht debattiert."

Es scheint, als müssten Konzernchefs und Finanzminister noch einige Überzeugungsarbeit leisten, wenn sie die Fusion wirklich durchdrücken wollen. Entscheiden müssten am Ende dann die Aktionäre. Und auch dort gibt es bei vielen großen Anteilseignern noch immer eine starke Skepsis. Da sind sich das Großkapital und die Bevölkerung offenbar ausnahmsweise einmal einig.



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
mark.o.hartmann 14.03.2019
1. Super Idee!
Zwei Looser Banken schließen sich zusammen und werden ein Champion - klingt logisch oder? Wer kommt eigentlich auf solche Ideen? Oder ist der wahre Grund gemeinsam to-big-to-fail zu werden? Das ist gemein aber genau so denken Banker nun mal.
Moving Forward 14.03.2019
2. Der Käse ist gegessen und Hr. Achleitner, ein Kapitalvernichter ersten
Ranges am Ziel. Die Deutsche Bank hat er mit mit dem Larifari von Unternehmensberatungen an den Abgrund getrieben so wie er es seinerzeit für die Dresdner Bank zu verantworten hatte und die Allianz fast mit dran glauben musste. Die Commerzbank musste nach dem Kauf der Dresdner Bank von der Regierung gerettet werden. Als Ex-Goldmännchen darf er jetzt mit einem Ex-Goldmännchen in der Regierung wieder im Fusionssandkasten auf Kosten des Steuerzahlers, der Arbeitnehmer und Aktionäre spielen Interessenkonflikte oder Chinese Walls sind urbane Finanzsektorlegenden damit das dumme Volk an die Unabhängigkeit von Wirtschaft und Politk glaubt. Eigentlich ein Skandal!! Die Sozialdemokraten werden als willfährige Helfer diesen volks- und betriebswirtschaftlichen Unfug mittragen. Unwählbar!!
spiegerlguckerl 14.03.2019
3. Wir brauchen das nicht
- eine "too big to jail' bank
eckawol 14.03.2019
4. Fusion DB / CoBk könnte passen,
wenn die Konditionen stimmen. Das könnte z.B. sein, in welcher Form die KfW "dazwischengestellt" wird zur Lastentragung....
xafagog 14.03.2019
5. Deja vu
Wie bei der von der Politik vorangetriebenenen Fusion von Bayerischer Vereinsbank und Bayerischer Hypotheken und Wechselbank, man wollt die ganz große Bayerische Bank... Das Ergebnis ist bekannt. Politiker verstehen nichts von Wirtschaft und Banking, ihre Lebensläufe sind in Wikipedia einfach einsehbar.
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