Silvaner aus Franken Großes Gewächs, kleiner Preis

Während in vielen deutschen Anbaugebieten die Preise im oberen Segment angezogen haben, gibt es in Franken tolle Qualität für überschaubares Geld.

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Von Gerald Franz


2,36 Euro pro Flasche. Das sind selbst für einen mittelmäßigen Frankenwein zu wenig, aber der Durchschnittspreis, den die Deutschen 2017 für eine Flasche bezahlten, sagt das Deutsche Weininstitut. Für dieses Geld gehen Sie natürlich leer aus bei den Winzern aus den Weinführern oder dem exklusiven Verband der Deutschen Prädikats- und Qualitätsweingüter (VDP).

  • Für eine Flasche Gutswein, der untersten Kategorie der VDP-Qualitätspyramide, werden im Mittel 10 Euro fällig,
  • für die nächsthöhere Stufe (Ortsweine) sind es noch mal knapp drei Euro mehr (13,20 Euro).
  • außerordentliche Weine, also Erste Lagen, liegen um die 17 Euro,
  • Spitzenweine, die Großen Gewächse, bei 34 Euro.

Oder Sie kaufen in Franken. Denn natürlich gibt es auch bei Winzern und Anbaugebieten Trends, die Nachfrage und Preise nach oben treiben. Und Franken ist gerade nicht angesagt. Zum Glück, denn zwischen Aschaffenburg und Iphofen finden sich viele hervorragende Weine, bei denen der Preis absolut stimmt, vor allem Silvaner - der perfekte Wein zur modernen Küche.

Die Rebsorte kam im 17. Jahrhundert nach Deutschland und findet in den fränkischen Muschelkalk- und Keuperböden, was gute Weine brauchen. Bis in die Siebzigerjahre war der Silvaner die meistangebaute Traube in Deutschland. Mittlerweile ist er auf Platz fünf der weißen Trauben abgerutscht und steht im Schatten des Rieslings. Aber das gilt eben auch preislich.

Ein wahrer Spezialist in Sachen Silvaner ist das Weingut Rainer Sauer in Escherndorf. Bereits der Gutswein aus dem aktuellen Jahrgang 2017 ist für sieben Euro ab Hof ein hervorragender Vertreter dieser Rebsorte: kräutrige Nase, am Gaumen auch etwas Apfel, leicht zitrische Frische im Abgang.

Beim direkt gegenüberliegenden Weingut Horst Sauer bekommt man mit dem Erste-Lage-Wein Silvaner S. vom Escherndorfer Lump einen Kraftprotz, der Mineralität, Kräuter und Frucht gut ausbalanciert. 12,50 Euro kostet der Spaß.

Wer einen schlanken, frischen Weißen mit Aromen von Heu, Kräutern und gelben Früchten schätzt, sollte den 2016er Silvaner Untereisenheim vom Weingut Schäffer aus Escherndorf für acht Euro probieren. Egon und Peter Schäffer bringen ihre Weine gerne etwas später auf den Markt. Sie finden, dann schmecken sie besser. Daher haben sie auch noch den "S7LVANER" im Sortiment, bei dem das Jahr der Lese den Preis bestimmt: 20,11 Euro. Nicht viel für einen derart gereiften Wein aus Erster Lage.

Das Würzburger Weingut Juliusspital, das seine 180 Hektar aber über ganz Franken verteilt, verkauft eine tolle Erste Lage aus dem aktuellen Jahrgang für 12,50 Euro: Der Silvaner Iphöfer Kronsberg duftet nach Wiesenkräutern und Honigmelone. Er schmeichelt dem Gaumen durch eine milde Säure und zeigt im Abgang Kraft sowie etwas Pfeffer.

Ein ebenfalls recht großer Betrieb mit 90 Hektar Rebfläche ist Hans Wirsching in Iphofen. Auch hier überzeugt der Gutswein. Sieben Euro kostet der Silvaner mit Noten von Kräutern und herbem Boskop-Apfel. Der Wein zeigt einen schönen Körper und angenehmen Schmelz.

Vom Bio-Weingut Roth aus Wiesenbronn verfügt der Silvaner Ortswein über einen enormen Zug. Er ist herb, fast ein wenig bitter und zeigt im Nachhall eine Spur Süßholz. Kostenpunkt: 8,50 Euro. Selbst wer in die höchste Stufe der VDP-Pyramide (Großes Gewächs) einsteigen möchte, ist bei Roth mit 21 Euro für den Silvaner Hoheleite dabei.

Es gibt natürlich auch Weingüter, die sich von der fränkischen Bescheidenheit verabschieden möchten. Philipp Luckert vom Weingut Zehnthof Luckert in Sulzfeld etwa findet, dass viele Winzer sich unter Wert verkaufen. Sein Silvaner Ortswein - ausgestattet mit schönen Aromen von gelben Früchten und Blumenwiese, Kraft und Schmelz - liegt mit zehn Euro preislich aber immer noch unter dem Bundesdurchschnitt.

Alle oben genannten Weine gibt es im Direktvertrieb. Oder Sie fahren selbst beim Winzer vorbei. Denn auch als Ferienregion wird die Gegend, durch die sich der Main malerisch schlängelt, unterschätzt! Noch.


Wein ist immer verflochten mit Menschen und ihren Geschichten. Einige davon zu erzählen, hat sich der Autor zur Aufgabe gemacht. Nachzulesen auf seinem Blog Weinsprech.

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insgesamt 37 Beiträge
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b.toennies 10.03.2019
1. Unverständlich warum der beste Hinweis fehlt...
Würzburger Juiusspital ist schon mal sehr gut... die Krönung wäre jetzt aber Würzburger Bürgerspital Silvaner - Lage Stein oder Stein Harfe - 2018 - wird ein Jahrhundertwein...
Jo.S 10.03.2019
2. Sehr erfreuliche Entwicklung
Vor ein paar Jahren bin ich auf Frankenwein gestoßen und war von der Qualität überrascht. Dann - ich glaube, es war 2015 - gab es den Frankenwein nur noch mit Schraubverschluss. Seit dem habe ich keinen mehr gekauft. Inzwischen ist mein Ärger verraucht: Für 2,36 Euro kaufe ich ab und an eine Flasche, wenn ich Wein zum kochen brauche. Zum Feiern kaufe ich dagegen Wein, der traditionell gekeltert wird. Mit guten Freunden anzustoßen, dass ist ein feierlicher Moment. Falls ich alleine einen Schluck Alkohol trinken möchte, dann entscheide ich mich lieber für ein Bier. Das kann auch lecker sein. Und - wer weiß, vielleicht gibt es ja in 5 oder 10 Jahren - wieder den einen oder anderen Winzer, der die gute alte Tradition wiederentdeckt. Dann werde ich hoffentlich eine der Ersten sein, die zum Frankenwein zurückkehrt. Ja und ich freue mich natürlich diebisch, dass ich nicht die Einzige bin, der dem Frankenwein den Rücken gekehrt hat. Nur gemeinsam sind wir stark!
bertlinx 10.03.2019
3. Die Bio-Weine sind in Franken kaum teurer, als die gespritzten Weine,
das liegt daran ,dass die Winzer langjährige Stammkunden haben und die Mehraufwendungen nicht weitergeben können. Besonderer Tipp: Hench in Bürgstadt. Um den Staatlichen Hofkeller Würzburg sollte man übrigens einen Bogen machen, die spritzen hier ihre Lagen noch mit dem Hubschrauber - leider ist das immer noch erlaubt.
Sibylle1969 10.03.2019
4. @2 jo.s
Es ist Quatsch, die Qualität eines Weins anhand des Verschlusses zu beurteilen. Schraubverschluss = Schlecht, Korken = Gut, das gilt schon lange nicht mehr. Ich trinke zwar gerne mal einen Frankenwein im Restaurant, aber ich kaufe nie Frankenwein in der Flasche (sorry, liebe Traditionalisten), denn die Boxbeutelflasche ist von der Handhabung einfach zu unpraktisch: passt nicht in den Weinkühler und nimmt zu viel Platz im Kühlschrank ein.
taglöhner 10.03.2019
5. 2,36 € durchschnittlich pro Flasche
Der Biertrinker leistet sich einen Wein. Und bleibt danach lieber beim Bier. Logisch.
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