Indonesien Polizei quält Verdächtigen bei Verhör mit Schlange

Um an ein Geständnis zu kommen, haben Polizisten in Indonesien einen Verdächtigen mit einer Schlange gequält. Videoaufnahmen des Vorfalls zeigen, was Menschenrechtsaktivisten schon lange kritisieren.

Polizisten quälen Verdächtigen mit Schlange
Reuters/Humas Polda Papua

Polizisten quälen Verdächtigen mit Schlange


In Indonesien hat die Polizei einen mutmaßlichen Taschendieb beim Verhör mit einer etwa zwei Meter langen Schlange gequält. Im Internet kursieren Bilder aus einer Polizeiwache in der Unruheprovinz Papua, auf denen der Mann gefesselt und barfuß auf dem Fußboden sitzt und panisch schreit.

"Wie oft hast du Handys gestohlen?" fragt ein Polizist den verängstigten Mann. "Nur zwei Mal", antwortet der Verdächtige. Daraufhin scheint ihm der Polizist, die Schlange in den Mund stecken zu wollen. Im Hintergrund ist Gelächter zu hören.

Nach Folter-Vorwürfen von Menschenrechtlern entschuldigte sich die Polizei inzwischen. Zu der Angelegenheit werde nun ein Polizist von Ermittlern befragt, sagte der Sprecher der Polizei von Papua. Den Namen des Beamten nannte er nicht. Er teilte zudem nicht mit, ob gegen weitere Polizisten ermittelt wird.

Der zuständige Polizeichef des Bezirks Jayawijaya, Tonny Ananda Swadaya, entschuldigte sich für die Methode. Von der Schlange sei keine reale Gefahr ausgegangen. Um welche Schlangen-Art es sich handelte, wurde nicht bekannt.

"Die Schlange war zahm und nicht giftig oder gefährlich"

"Die Schlange war zahm und nicht giftig oder gefährlich", schrieb Swadaya. Der Polizist habe eigenmächtig gehandelt, um so schnell wie möglich ein Schuldeingeständnis zu bekommen. In der Vergangenheit sei sie schon mehrfach eingesetzt worden, um betrunkene Randalierer wieder zur Vernunft zu bringen. "Wir werden in der Zukunft professioneller arbeiten", sagte der Bezirkspolizeichef.

Der indonesischen Polizei werden immer wieder Gewalt und Verletzung der Menschenrechte gegen die ethnische Minderheit der Melanesen in Papua vorgeworfen. Auch außergerichtliche Exekutionen soll es in der Vergangenheit gegeben haben.

Das Video wurde von der Menschenrechtsanwältin Veronica Koman via Twitter verbreitet. Sie erklärte nun, das Video belege, was inhaftierte Aktivisten in Papua bereits berichtet hätten. "Sie haben schon lange gewusst, dass Schlangen von der Polizei und dem Militär benutzt werden", sagte Koman. Daher sei sie "nicht überrascht" über das nun aufgetauchte undatierte Video.

In Papua, einer der ärmsten Regionen Indonesiens, gibt es immer wieder ethnisch motivierte Gewalt. Im Dezember wurden bei einem Anschlag von Rebellen mindestens 16 Arbeiter eines Staatsunternehmens getötet, die in Papua am Bau neuer Brücken beteiligt waren.

bam/AFP

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